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Nachruf auf Wolfgang Schüler, Gründer von Modellbahn Schüler

 

Wolfgang Schüler - Eisenbahn war sein Leben 

Wolfgang Schüler, Stuttgart

 

Wir haben die traurige Nachricht zu vermelden, daß der Mitbegründer unserer Firma und langjähriger Gesellschafter 

Wolfgang Schüler

vor kurzem verstorben ist. 

Geboren am 12. Jan. 1926 in Heilbronn - Gestorben am 19. Sept. 2012 in Stuttgart  

Er prägte nicht nur die Entwicklung der Modelleisenbahnbranche in vielen Bereichen maßgeblich mit, er war auch für viele Fachjournalisten, die ihn kannten, eine unschätzbare Quelle für Informationen rund um die Modelleisenbahn und deren Vorbilder.

Wir alle werden ihn sehr vermissen.

Die Traueranzeige kann unter www.stuttgart-gedenkt.de/Traueranzeige/Wolfgang-Schueler 
aufgerufen werden.

    

Wolfgang Schüler - Eisenbahn war sein Leben - Ein Nachruf 

Sein Lebensweg war bestimmmt durch frühen Kriegseinsatz mit 16 und amerikanische Kriegsgefangenschaft. Er hatte nicht das Glück heutiger Jugendlicher, die sich in diesem Alter um ihr Hobby kümmern können. Dafür holte der am 12. Januar 1926 in Heilbronn geborene Wolfgang Schüler, der eigentlich Ingenieur werden wollte, diese verlorene Zeit danach auf andere Art und Weise wieder ein: 

Seine Träume galten seit dem frühen Kontakt mit Amerikanern den amerikanischen Eisenbahnen in den Weiten des amerikanischen Westens. Die langen Personenzüge der Southern Pacific, die mächtigen Dampfloks und die technisch faszinierenden Gasturbinenloks der Union Pacific und die eigenwilligen Holzbahnen in Colorado faszinierten ihn im Original und im Modell. 

Seine Träume galten seit dem frühen Kontakt mit Amerikanern den amerikanischen Eisenbahnen in den Weiten des amerikanischen Westens. Die langen Personenzüge der Southern Pacific, die mächtigen Dampfloks und die technisch faszinierenden Gasturbinenloks der Union Pacific und die eigenwilligen Holzbahnen in Colorado faszinierten ihn im Original und im Modell. 

Und so war klar, daß er eine amerikanische Modelleisenbahn bauen würde! Die erste entstand in der Garage im elterlichen Haus in Vaihingen, wohin die Familie bereits Mitte der 30er Jahre hingezogen war. Da in Stuttgart-Vaihingen das Hauptquartier der US-Army war, fanden sich immer wieder interessierte Soldaten ein, die dann mit ihm zusammen Modelleisenbahnen bauten. 

Völkerverständiung in den 50ern: Die GIs und er bauten an der Eisenbahn und blieben dann zum Essen im Haus bei seinen Eltern. Bei Maultaschen, Spätzle und anderen schwäbischen Gerichten ist manche Freundschaft entstanden, die bis in die heutige Zeit reichte. Später verwirklichte er sich seinen Traum von einer großen amerikanischen Anlange und baute auf 50 qm “sein Colorado” nach, mit einer Schmalspurbahn, die sich durch die bergige Landschaft von Colorado bis auf 2m Höhe schlängelt und einer Hauptbahn, auf der er bis zu 8 m lange Güterzüge fahren lassen konnte, natürlich vorbildgerecht bespannt mit Big Boys und Challengern. 

Eine Ausbildung bei der “Fortuna” in der Heilbronner Str. in Stuttgart brachte ihn zusammen mit alten Meistern, die selbst ausgebrannte Produktionsmaschinen wieder zum Laufen brachten. Kreatives Denken und Improvisation waren damals hauptsächlich gefragt. Und in der Weihnachtssaison reparierte er bei der Fa. Schick in der Olgastraße in Stuttgart Modelleisenbahnen. In dieser Zeit beschloß er, daß er irgendwann ein eigenes Modelleisenbahngeschäft eröffnen würde.

1954 heiratete Wolfgang Schüler seine Frau Erika, mit der er zwei Töchter hatte: Ingrid und Christina. 1955 eröffnete er ein Modelleisenbahngeschäft in der Gymnasiumstraße in Stuttgart zuammen mit seinem Kompagnon Hermann Eisenhardt., 1957 zog die Firma um in den jetzigen Standort, Christophstr. 2. Hermann Eisenhardt stieg 1962 aus der Firma aus. In dieser Zeit baute Wolfgang Schüler in den ruhigeren Sommermonaten auch Ausstellungsanlagen für Brawa (mit Eheim-Seilbahnen!) und andere Kunden bzw. Aussteller, über die in zahlreichen Zeitungsberichten dieser Zeit nachgelesen werden kann. 

Vor allem durch den Kontakt mit den Amerikanern, die nach einiger Zeit in Deutschland wieder in andere Länder versetzt wurden, begann er ebenfalls bereits in den 50er-Jahren mit dem Versand von Modelleisenbahnen ins Ausland. Die ersten Werbeanzeigen in der amerikanischen Fachzeitschrift Model Railroader sind aus den 50er-Jahren! Von 1956 - 1965 gab es den hauseigenen “Schüler - Katalog” mit vielen Bastelteilen, Büchern und natürlich den damaligen vollständigen Modelleisenbahn-Sortimenten. 

Als Kibri Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre massive Absatzprobleme hatte, beriet er Kibri lange Jahre bei der Neuheitenentwicklung und der Modellpolitik, damals mit viel Erfolg, wie die 70er Jahre zeigten. Seine größten Modellerfolge bei Kibri waren der “Calwer Bahnhof” und die “Nürnberger Häuser” in H0. 

Gleichzeitig war er immer ein weltoffener, begéisteter Modellbahnhändler, der “über den Tellerrand schaute” und seinen Kunden neue und vor allem qualitativ gute Produkte verkaufen wollte. So bot er seinen Kunden bereits in den 60ern Shinohara-Gleise mit korrekter amerikanischer Schwellenlegung, Weichenantriebe und Fahrregler von Hammant & Morgan aus England, ebenso wie amerikanische Messinglokomotiven von Tenshodo, Westside und anderen renomierten Herstellern an und importierte amerikanische Modelle von Athearn, Roundhouse und viele weitere ausländische Markenprodukte, die sonst kaum zu bekommen waren. 

Wolfgang Schüler hielt auch intensiven Kontakt zu den Konstrukteuren und Herstellern der Eisenbahnbranche. Als Märklin z.B. seine neue K-Gleis-Doppelkreuzuzungsweiche (DKW) entwickelte, diskutierten er und der Märklin-Konstrukteur Helmut Kilian die halbe Nacht über die Antriebstechnik. Wolfgang Schüler meinte: Eine DKW für Modellbahner braucht 2 Antriebe, um den Flankenschutz zu sichern, sonst ist es eine Spielbahn! ... Lange nach Mitternacht hatte er sich durchgesetzt und Märklin war der erste deutsche Hersteller mit einer DKW, die der Modellbahner vorbildgerecht einsetzen konnte. 

In den 60er Jahren waren die Modellbahner froh um jedes neue Modell, ob nun von Märklin oder Fleischmann. In seiner Werkstatt tüftelte er für viele Märklin-Modelle eine technische Umbaumöglichkeit aus, um diese Modelle mit seinen Mitarbeitern umzubauen und diese auch seinen 2-Leiter-Gleichstromkunden anbieten zu können. 

Echte Schwaben: Als 1975 Röwa insolvent wurde und auch die Fa. Ortwein die Produktion einstellen mußte, führte der Zufall drei Menschen zusammen: Harald Göbel, den Konstrukteur der Fa. Röwa, den Chef der Werkzeugbaufirma Beutenmüller und Wolfgang Schüler, der regelmäßig beim Insolvenzverwalter von Röwa einkaufte. Alle drei bedauerten, daß die bei diesen Firmen vorhandenen Formen und Materialien nun einfach brach lagen. Schnell waren sie sich einig, dass man “daraus noch was machen könnte” und so gründeten Sie die Fa. Bemo. Die Modellpolitik, Schmalspurbahnen aus Deutschland und der Schweiz zu bauen, kam dabei vom Eisenbahnfachmann Schüler. 

Als Harald Göbel 1989 plötzlich verstarb, sprang Wolfgang Schüler als Geschäftsführer für das operative Geschäft ein und führte die Geschicke der Fa. Bemo mehrere Jahre. Danach zog er sich aus der Geschäftsleitung zurück und widmete sich seiner Familie und seinen Hobbys Reisen und Eisenbahn. 

1990 übergab er dann auch “sein Modellbahngeschäft” in der Christophstraße 2 in Stuttgart der nächsten Generation. Seine Tochter Ingrid führt seitdem gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Winfried Bitter die Firma als Spezialgeschäft für Modelleisenbahnen bis heute weiter (www.mcschueler.de). 

Wolfgang Schüler verstarb friedlich am 19. September 2012 in Stuttgart im Alter von 86 Jahren. 

pdf Ferpress Meldung: Nachruf für Wolfgang Schüler

 

 

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